Offener Brief an Guru Jara

Erfahrungen aud dem Love und Nirvana Ashram

Mit allem gebotenen Respekt wende ich mich an Guru Jara, das spirituelle Oberhaupt des Love and Nirvana Sanctuary, sowie sein Anhänger*innen und die bewusste globale Gemeinschaft.

Nun, wir leben in einer Welt, in der Information so zugänglich ist, wie nie zuvor, der Großteil der westlichen Welt hat die Möglichkeiten fast überall hin zu reisen. Viele tun dies und lernen verschiedene Lehrer aus allen Erdteilen kennen, sammeln ungewöhnliche Erfahrungen und Eindrücke – doch zum Guru macht einen all dies noch lange nicht. Seine Lehren in einem Kloster zu organisieren und sich selbst als spirituell lehrend darzustellen, bringt ungemeine Verantwortung und muss mit der höchsten Form von Reflektion und Sorgfalt belegt sein. Menschen auf der Suche, sind extrem verletzlich und um sie auf dem Weg zu einem erfüllten Leben begleiten zu können, ihnen Hoffnung und Erlösung zu suggerieren, oder gar die eigenen Erfahrungen und Weisheiten in einer Lehre, einer Sekte oder Ashram zu organisieren ist begleitet von der großen Verantwortung für jede einzelne Person, die sich diesem Ort oder dieser Wahrheit hingibt.

Da der spirituelle Lebensweg immer beliebter wird und der Zustand der Welt verstärkt nach alternativen, unterstützenden Systemen verlangt, kommt es immer wieder zu Missbrauch von suchenden Menschen der modernen westlichen Welt durch ‚spirituelle Lehrende‘. Entweder um finanzieller Mittel wegen oder um sich und ihr Wissen überragend darzustellen, berauben sie Menschen, die sich Unterstützung erhoffen, ihrer Zeit und Energie und stocken ihr Ego aus Ignoranz weiter und weiter auf.

Meine Erfahrung an dem heiligen Platz von Guru Jara war zunächst interessant und wurde aber mit der Zeit unsicherer. Das abgelegene Ashram scheint von Menschen geleitet zu sein, die etwas Folgen, das sie nicht verstehen, ohne vergleichbare Erfahrungen gemacht zu haben, die Ihnen Missstände aufzeigen könnten. Sie opfern Ihre ganze Zeit, Menschen auf dem Weg zu einem bewussten Leben zu unterstützen und leben selbst in einem Bewusstseinszustand, den ich nach sechs Monaten bis fünf Jahren hingebungsvollem spirituellem Leben für unmöglich halten würde. Auffallen war zuallererst, dass die Anhänger*innen fast ausschließlich Frauen aus der begrenzten tschechischen und japanischen Gemeinschaft sind. Obwohl sie scheinbar mehrere hunderte Mitglieder hat gibt es kaum öffentliche Informationen über die Philosophy oder Tätigkeit des Ortes oder der Gemeinschaft. Die organisatorische Leiterin, die seit dem Alter von 25 Jahren im Ashram lebt, war die unaufmerksamste Person, mit der ich in meiner Zeit dort zu tun hatte, hektisch lief sie über das Gelände, auf ihrem Handy tippend, sie vertauschte unbemerkt Wichtige Informationen die als Grundlage für Übungsempfehlungen dienten und behandelt den einzigen männlichen Mönch nach seinen Empfindungen jeher auf Grund seines Geschlechtes deutlich anders. Ich möchte einige meiner schwerwiegendsten Beobachtungen teilen, die mich dazu führten, meine eigene spirituelle Reise anderswo umfassender und sicherer fortzuführen, nicht um Negativität zu erzeugen, sondern um klar einige der Geschehnisse mitzuteilen, die meine Aufmerksamkeit verlangten und um Eindrücke für ein informiertes Wachstum der globalen Gemeinschaft zu teilen.

Zur Einordnung, Ich fand meinen Weg in diese, sonst recht geschlossene tschechisch-japanische Gemeinschaft über einen öffentlichen Aufruf nach Unterstützung für eines Ihrer Retreats. Nach einem Telefonat wurde ich voller Begeisterung eingeladen auf freiwilligen Basis zu unterstützen und blieb letztendlich drei Wochen dort, während denen zweitweise Retreats stattfanden. Ich wurde im Vorfeld nicht darüber informiert welche Anforderungen oder Lebensweise an dem Ort herrschten und strenge Regularien wurden erst mit der Zeit, etwa ab dem 10. Tag meines Aufenthaltes, oft ohne verständliche Begründung, für mich implementiert. Während niemand wirklich etwas über das spirituelle Oberhaupt oder Ihre generelle Philosophie sagen konnte oder wollte, wurde ich in fast alle Rituale und Praktiken eingeschlossen. Als ich die erst später von mir geforderte Kleiderordnung hinterfragte, wurde mir zunächst von der langjährigsten Bewohnerin gesagt „weißt du auch wegen [den männlichen Mönch] sollten wir uns bescheiden Kleiden, um ihn nicht abzulenken“ und machte weitere flüchtige Erklärungen wie „um die Energie des Ortes zu bewahren“ oder „das wird in jedem Ashram so gemacht“. Auch die organisatorische Leiterin stammelte ähnliche Phrasen, war nicht in der Lage die Hintergründe zu benennen und verwies mich dann auf das zweite spirituelle Oberhaupt (eine Frau die zeitweise in dem Ashram lebt), zu welcher ich aber zu keiner Zeit die Möglichkeit bekam zu sprechen. Bei meiner Ankunft befand ich mich in einer recht gelassenen, verbundenen Energie, konnte dann aber schnell beobachten wie meine Schritte hektischer wurden und ich mich aus Unaufmerksamkeit vermehrt bei der Arbeit verletzte. Drei der Vier Nonen, die dort leben sind in ständiger Bewegung, rennen über das Gelände, drängeln auf dem schmalen Weg an mir vorbei, um die nächste Aufgabe zu erfüllen und haben keinerlei andere spirituelle Erfahrung als diese Lehre gesammelt.

Die erste einschneidende Grenzüberschreitung bemerkte ich dann, als ich in Schweigen tat. In Vorbereitung für die anstehenden Vollmond Rituale hängte ich mir das Schild an, doch die Frau, die seit 5 Jahren in dem Ashram lebt, wollte sogar unter der Dusche noch mit mir über nichtige dinge Sprechen und die Leiterin rief mir Informationen zu, um sie an eine andere None weiterzugeben. Ein anderer Aspekt der Grundlage zu bewusstem Leben, die dort mehr als unzulänglich gehandhabt wird ist das Essen. Meine Essgewohnheit keine Eier zu konsumieren wurde wiederholt nicht berücksichtigt und generell hing die Gestaltung der Mahlzeiten primär von finanziellen Mitteln und der täglich dominanten Planetenenergien und deren Farbschema, ab. Fast täglich war es Gesprächsthema, das wir nur so Essen, weil kein Geld da ist und die Verpflegung war insgesamt unausgeglichen und wenig Nahrhaft. Zwischenzeitliche haben wir sogar Reis von einer Qualität gegessen, der „nur für die Hunde“ ist. Anders war es, während den Retreats, wo ein übermäßiges Angebot präsentiert wird und täglich Tierprodukte und Fleisch in größerer Menge, auch kurz von tiefgreifenden Praktiken, serviert werden.

Meine Alarmglocken klingelten dann wirklich, als ich gesagt bekam, dass der Zeitplan nun dafür ausgelegt sei, dass es keinen Raum zum Nachdenken gibt. Bei dem Vorstellungsgespräch war mit keinem Wort erwähnt worden, dass es von mir erwartet werden würde, der 17-stündigen Tagesstruktur des Ashrams zu folgen und auch in meiner Freizeit das Gelände nicht zu verlassen. Bald wurde klar, dass hier stark der Raum zur selbst Reflektion kontrolliert wird.  Nicht nur war der Tagesplan dazu bestimmt, keinen Raum für eigene Gedanken zu geben, sondern er wurde auch ständig kurzfristig geändert und häufig wurden Informationen über das Ritual erst bei der Veranstaltung gegeben, so dass völlige Verfügbarkeit und Unberechenbarkeit der Abläufe nicht nur die Norm, sondern ausdrücklich gewollt sind. Dies ist offensichtlich nicht zuträglich für die selbstgestärkte innere Erfahrung und fördert Unterordnung und exzessive Hingabe zum System. Werden zusätzlich unzureichend Informationen über die Praktiken und Handlungsabläufe gegeben, besteht großes Risiko blinder Unterwerfung. Sicherlich, ist ein System eingehen erprobt und fördert individuelle Sicherheit und persönliches Wachstum, besteht das Argument, dass völlige Hingabe der spirituellen Erleuchtung zuträglich sein kann. In dem Ashram von Guru Jara habe ich jedoch weder Unterstützung noch Schutz erfahren, ich wurde ungeführt in tiefgehende Rituale und Praktiken involviert, und habe erst in den letzten Stunden dort einen etwas offeneren Kontakt zu einer Führungsperson bekommen. Ich habe beobachtet, wie eine None unter ihrer unstrukturierten Arbeitsleistung zusammenbrach, was wohl „alle paar Wochen so normal ist für sie“, als fleißigste Arbeiterin hält sie sich mit einer Portion Reis und Zucker nach jeder Mahlzeit am Laufen.  Zuletzt wurde ich gebeten noch einen Tag länger vor Ort zu bleiben, um die Möglichkeit für Abschlussformalien zu geben, wovon ich einzig eine Tuk-tuk Fahrt mit der spirituellen Leiterin erhielt. Während der wir lediglich eine Oberflächliche Unterhaltung führten und sie beständig in ihr Handy tippte und mit den anderen Mitfahrerenden Nichtigkeiten organisierte.

Im Bezug auf die Lehren, die ich dort kennenlernte, ist mir die Zusammenführung unterschiedlichster historischer Elemente zu einer undurchsichtigen Mischung aufgefallen. Besonders die Praktiken zu und mit dunkler Chakra-Energie halte ich für höchst fragwürdig. Ohne angebrachte Einführung in das Konzept wurde ich Teil von Workshops zu diesem Thema und es wurde erwartet, dass ich aktiv teilnahm. Zu guter Letzt, war ich dann unvorbereitet Teil einer kraftvollen Atemreise, ohne Informationen über die Abendveranstaltung wurde nur eine Stunde vorher ein üppiges, nicht vegetarisches Abendessen serviert und schließlich wurde die Atemtechnik nicht ausreichend angeleitet. Mein Magen schmerzte und ich wusste nicht, ob mein Atemrhythmus der Vorgegebene war. Diese letzte Erfahrung zeigte mir deutlichst, wie uninformiert und unaufmerksam hier praktiziert wird; meine Grenzen waren weit überschritten worden. Am morgen hatte ich mich leichten Herzens entschlossen am folgenden Tag weiterzuziehen, um meine Entwicklung and einem sichereren und fruchtbareren Ort weiterzuführen. Doch in der abendlichen Praxis überkam mich die Wut, als ich angeleitet wurde Guru Jara (über welchen mir immer noch niemand etwas erzählt hatte und ich nur schleichend heraus fand das er überhaupt spirituelles Oberhaupt dieser Gemeinschaft und dieses Ortes war), gegenüberzutreten und ihn um Leitung zu bitten. „You fucking bastard“ (du verfickter Bastard) schrie mein Bewusstsein ihn an, die Wut, die ich spürte, ist mir selten zugegen, „du kannst nicht so unaufmerksame Leute, verletzliche Menschen in diese tiefen Praktiken führen lassen, es ist deine Verantwortung. Sie kennen die tiefe der spirituellen Arbeit nicht und es ist deine Aufgabe alle Menschen hier zu schützen.“

Also, hochachtungsvoll, Jara, ich kenne dich nicht persönlich und ich entschuldige mich für die Wortwahl meines Bewusstseins. Obwohl ich nicht gerne so kommuniziere, stehe ich hinter dem, was ich dort empfunden habe. Bei alle liebe für jede Person, mit der ich meine Zeit und mein Dasein teile und sie sind alle wundervolle Menschen, die Nonen in den Philippinen leben ein bewusstloses Leben regiert von Mangel und blinder Unterwerfung. Ich will niemandes Bewusstseinsebene oder die tiefe deiner Erfahrungen bewerten, aber ich möchte dich zur Verantwortung rufen, dafür wie in deinem Ashram, deine Lehren von Suchenden genutzt und verbreitet werden.