Traditionelles Tantra Yoga

– die Weisheit jenseits des „besten Sex der Welt“ -

Zu Beginn lass uns kurz klären, was traditionelles Tantra Yoga im Vergleich zu modernem Neo-Tantra ist. Derzeit wird Neo-Tantra weltweit immer beliebter, doch es birgt viel Risiken. Diese Orte sind oft nicht sehr sicher, weil zusammen mit anderen mit kraftvoller, sexueller Energie gearbeitet wird, ohne dass die Teilnehmenden die nötige eigene Aufmerksamkeit und Ausgeglichenheit kultiviert haben. Gerade für unerfahrene Menschen sind solch intensiven Veranstaltungen also schwierige Orte, wo sie sich und andere schwer Verletzen können. Auch in Traditionellem Tantra Yoga gibt es intime Praktiken mit Personen des anderen Geschlechts und sie können „den besten Sex der Welt“ nach sich ziehen, doch dies ist keineswegs das Hauptaugenmerk.

Es wird gesagt, dass traditionelles Tantra die älteste Form von Yoga sei. Womöglich die höchste Form, denn Tantra wurde erstmals von Lord Shiva (dem wichtigsten Hindu-Gott) und seiner Frau Paravati gelernt. Tantrisches Yoga legt den Fokus auf energetische Arbeit im feinstofflichen Körper (Sukshma Sharira). Traditionelles Tantra leitet dich hin zur Ausgeglichenheit von Shiva- und Shakti-Energien (Maskulinen und Femininen Energien) egal ob in der Zusammenkunft mit echten Wegbegleitern (Satsang) oder deiner persönlichen Praxis allein (Solo-Praxis), Partner Praxis oder Integration in jedem Teil deines Lebens. Alle Übungen arbeiten auf das vollkommene Gleichgewicht von Shiva – und Shakti- Energien hin und wir können sie im Prozess umfassend beobachtet und wertschätzen. Andere Yoga formen wie Hatha Yoga haben ihren Ursprung im traditionellen Tantra Yoga und sind wunderbare Hilfsmittel, um den physischen Körper vorzubereiten, Flexibilität zu schaffen und eine Verbindung zum Körper, Atem und deren Energien aufzubauen. Auch in traditionellem Tantra Yoga werden Pranayama (Atemarbeit) und Kriyas (rhythmische, physische Bewegungen) verwendet, doch die Kernintention ist das Wahrnehmen, Ausgleichen und Stärken der Lebensenergie (Kundalini). Ein großer Teil der tantrischen Praxis besteht dazu aus Pujas (Ritualen), Mudras (Handgesten) und Mantra Sastra (Schwingung von Klang).

Bei dieser Art von Tantra geht es also wirklich nicht darum, sich intensiver Sexualität hinzugeben. Es geht um volle Anwesenheit, um aufmerksame Wahrnehmung. Es geht darum tiefe Gefühle zuzulassen und der wundervollen Schöpferkraft, die in jedem Wesen und unserem eigenen Selbst wohnt, mit größter Dankbarkeit zu begegnen.  Diese Energie mag Kundalini, sexuelle Energie, Schöpferkraft, Göttlichkeit und viele weitere Namen genannt werden. Traditionelles Tantra Yoga nutzt spirituelle, Hindu-kulturelle Sprache, doch die dahinter liegenden Wahrheiten und Lehren sind universell anwendbar und nicht durch Religion begrenzt. Der tantrische Weg führt über die Reinigung der 5 Koshas (Körper) aus denen unser Wesen besteht.

  1. Annamaya Kosha – Die physische Hülle
  2. Pranamaya Kosha – Lebensenergie, Atem
  3. Monamaya Kosha – Die mentale Hülle
  4. Vigyanmaya Kosha – Die intellektuelle Hülle
  5. Anandamaya Kosha – Die Hülle der Glückseligkeit

Die Aufmerksamkeit auf dies, wirkt kraftvoll bei emotionaler Heilung und dem Lösen von tiefsitzenden Ängsten und Traumata. Indem die eigene göttliche Kraft in den Übungen bewusst und zielgerichtet wird, wird es möglich dich in voller Tiefe mit dir selbst und deiner Umwelt zu verbinden. In dieser Verbundenheit manifestiert sich ein ausgeglichenes und erfülltes Leben. Tantra ist ein praktischer, spiritueller Weg und erfordert ein gewisses Maß an Disziplin und bewusste Intention. Nur durch regelmäßiges Praktizieren und Integration des Verständnisses wird dich traditionelles Tantra Yoga in ganzheitlicher Heilung und einem vollends erfüllten Leben unterstützen. Du kannst traditionelles Tantra allein, mit einer*m vertrauensvolle*n Partner*in, oder im Mandala (familiäre Zusammenkunft von Freunden) ausüben. Um von dem vollen Spektrum der Praxis zu profitieren und besonders bei der Arbeit mit den oberen drei Chakas (Antrang Yog) musst du dich einer Lehrperson anvertrauen. Sie können viele wertvolle Werkzeuge teilen und die Reise, Schritt für Schritt begleiten. Einweihungen von Meister*innen bieten eine direkte Verbindung zur universellen Kraft und sind essenziell, um die Übungen zu vertiefen und mehr Unterstützung im Prozess zu bekommen.

Mit etwas Übung in Non-Dualität (Advaita), Atma vijara (zustand der inneren Reflektion und Erforschung) und Prateahara (Die Sinne vom Objekt ablösen) und durch die Intergration dieser, sowie weiterer Elemente, auch außerhalb des Satsang in dein Leben, werden sie dich dabei unterstützen Dankbarkeit für jede Begegnung, jede Emotion, jeden Atemzug zu empfinden. Sie sind außerdem wertvoll Hilfsmittel, um alle Elemente genau wahrzunehmen. Sobald du beginnst diese Übungen zu lernen, und mit einer Lehrperson erste Erfahrungen gesammelt hast, kannst du durch tägliches praktizieren, für dich selbst, mit einer*m Partner*in oder im Mandala schnell Fortschritte machen. Schon durch die Integration kurzer Momente tantrischen Verständnisses ins tägliche Leben, wird die Verbindung zur Schöpferkraft aufgebaut und gehalten. Regelmäßig Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen, mit dieser Energie zu interagieren (in einer Sadhana oder durch den Gebrauch einzelner Übungen und Techniken), kann dich zur*m Meister*in in kraftvoller Energiearbeit machen. Ein klarer Geist und umfassendes Verständnis werden zum festen Bestandteil in deinem Leben. Manifestation wird für dich zum allzeit verfügbaren Werkzeug zur bewussten Lebensgestaltung eben so wir die richtige Nahrung aufzunehmen oder zur richtigen Zeit zu ruhen. Alles wird dich näher zur allumfassenden Verbindung mit dir selbst und der Welt bringen, welche du nun vollkommen wahrnehmen und verstehen kannst. Es bringt dir also nicht nur den besten Sex der Welt, sondern auch das beste Essen, den besten Schlaf, die beste Arbeit, den besten Spaziergang etc…